Übergabe der Abiturzeugnisse am Richard-Wagner-Gymnasium

„2020 - Wir haben gelernt, was bleibt, wenn nichts bleibt.“

 


Ganz das Feiern nehmen wollten sie sich nicht lassen, die Abiturient*innen des Richard-Wagner-Gymnasiums in diesem Jahr. Die Schüler*innen hatten sich sehr dafür eingesetzt, dass der Jahrgang für die Zeugnisübergabe nicht halbiert wurde, sondern als ganzer diesen feierlichen Akt erleben durfte. So wurden schließlich in einer zwar abgespeckten, aber dennoch würdigen Zeremonie am Freitag, den 24. Juli in Anwesenheit der Lehrkräfte die Zeugnisse überreicht und die Preisträger*innen geehrt. Die Dekoration, die vorher von einigen Schülern vorbereitet worden war, unterstrich die festliche Stimmung, welche trotz verkürzter Zeremonie nicht zu kurz kam. Um die Personenzahl begrenzt zu halten, durften die Eltern nicht anwesend sein, diese überraschten ihre Kinder jedoch im Anschluss an den offiziellen Teil draußen auf dem Schulgelände. Und auch bei der Zeremonie waren sie live dabei, wenn auch nicht „analog“, sondern per Video-Streaming. Die Outfits der Abiturient*innen standen den Outfits aus Nicht-Corona-Zeiten sowieso in nichts nach – elegante Abendkleider und Anzüge dominierten die Garderobe. Im Anschluss an die Zeremonie wurden die Abiturient*innen dann auch abgelichtet: eine kleine Erinnerung an den besonderen Tag.

Der Abiturjahrgang 2020 des RWG

Und selbstverständlich durfte auch die Rede des Schulleiters Matthias Schmauder nicht fehlen. Unter besonderen Strapazen habe der diesjährige Abiturjahrgang seine Reifeprüfung ablegen müssen. Doch man sehe daran, dass man aus Krisen, von denen es noch ein paar im Leben gebe werde, durchaus sehr Wichtiges lerne könne: Dass man vor ihnen nicht kapitulieren müsse, sondern an ihnen wachsen könne, dass man auch mit weniger auskommen könne und dass Hochmut gegenüber Menschen, die unser Land tagtäglich am Laufen halten, keineswegs angebracht sei.

Natürlich kam auch die diesjährige Scheffelpreisträgerin Yoela Aithnard nicht umhin, in ihrer Scheffelpreisrede auf die besondere Situation des diesjährigen Abiturjahrgangs einzugehen. Sie stellte in ihrer äußerst klugen Rede die Frage, was in dieser historischen Situation bleibe, wenn „unsere Selbstverständlichkeit wegbricht“ und nicht mehr alle Optionen zur Verfügung stünden. Ihre Antwort: Das Zuhören, sich selbst, aber auch Familie und Freund*innen und denen, die lange nicht in diesem Ausmaße gehört wurden, den Vertreter*innen der Black-Lives-Matter-Bewegung etwa. Als Beispiel führt sie an in einem Selbstversuch wochenlang jeden Tag ein Musikalbum als Ganzes angehört zu haben. Das sei zunächst schwergefallen, aber habe neue Seiten offenbart. Fehler zu machen, das sei nicht schlimm, das Schlimme sei es „zu glauben, man mache keine.“ Man wünschte, mehr Menschen würden dieser Scheffelpreisträgerin zuhören.

Die Scheffelpreisträgerin Yoela Aithnard

Neben dem Scheffelpreis erhielt Yoela Aithnard den Preis für hervorragende Leistungen im Abitur (für ihren Durchschnitt von 1,5), ein e-fellows.net Stipendium sowie den Preis der Deutsch-Französischen Gesellschaft für das beste bilinguale Französisch- Abitur.

Einen Preis für hervorragende Leistungen im Abitur zusammen mit einem ein e-fellows.net-Stipendium erhielten außerdem Daria Lysenko (Durchschnitt 1,1), Jonathan Hilser (1,1), Nehire Sahin (1,1), Helene Klövekorn (1,3), Clara Kopitzke (1,3), Jonathan Martin (1,3), Jule Vollmer (1,3), Hannah Reiß (1,4) und Paul Schmälze (1,5). Daria Lysenko wurde außerdem mit dem Friedrich-Gantner-Sprachpreis des Rotary-Clubs und den Fachpreisen Philosophie und evangelische Religion ausgezeichnet. Jonathan Hilser darf sich über den Preis der Deutschen Mathematikervereinigung und eine Mitgliedschaft in der Physikalischen Gesellschaft freuen. Ebenfalls die Mitgliedschaft in der Physikalischen Gesellschaft erhielt Jonathan Martin. Der Preis des Vereins deutscher Sprache wurde an Clara Kopitzke vergeben.

Weitere Fachpreise gingen an: Helene Klövekorn für das Fach Biologie, Hannes Keppler und Anne-Kathrin Scherer für Religion. Lara Altmann erhielt ebenfalls den Preis der Deutsch-Französischen Gesellschaft für das beste nicht-bilinguale Französisch-Abitur. Den Elfriede-Kramer-Preis des Fördervereins für besonderes Engagement bekamen Jonathan Martin, Paul Schmälzle und Laura Dietrich.

Als einzige Schule in Baden-Baden bietet das RWG die Möglichkeit, neben dem deutschen Abitur auch das französische Baccalauréat, also das AbiBAC abzulegen: Vierzehn Schüler*innen konnten dieses Jahr dieses besondere Zertifikat entgegennehmen. Dafür belegten sie über ihre gesamte Schulzeit hinweg mehr Stunden Französisch und hatten die Fächer Erdkunde, Geschichte und Gemeinschaftskunde auf Französisch. Sie schrieben außerdem das Geschichte-Abitur auf Französisch.

Sarah Dußler