Mit Phantasie und Esprit in den Dichterwettstreit

Poetry-Slam des Literatur- und Theater-Kurses des Richard-Wagner-Gymnasiums

Verzweiflung, Euphorie und Empörung waren nur einige Facetten der vielfältigen Farbpalette an Emotionen, die am Freitagabend zum Ausdruck kamen. Im Rahmen eines Poetry-Slam präsentierten die SchülerInnen des Literatur-und-Theater-Kurses der 12. Klasse unter Leitung von Veronika Marqués-Berger ihre selbstgeschriebenen Texte dem interessierten Publikum. Zwei kurseigene Moderatoren führten auf heitere und ungezwungene Weise durch den Abend.

PoetrySlam2020

von links: Luise Aymar, Marie Keller, Jule Voller

Während der letzten Monate hatten sich die sieben Schülerinnen und Schüler der Aufgabe gestellt, eigene rhythmisierte und sprachlich durchformte Texte zu selbst gewählten Themen zu schreiben. Dabei stand ihnen ihre Lehrerin unterstützend zur Seite. Schon im Oktober, beim 150-jährigen Schuljubiläum des RWG, gab ein kleiner Auftritt mit Texten zur eigenen Schulwirklichkeit einen Vorgeschmack, wie junge Menschen, die meisten von ihnen gerade 17 Jahre alt, ihr Leben in Verse packen. Nun, beim zweiten Abend, am Freitag der vergangenen Woche, öffneten sie die ganze Palette ihrer jungen Lebenserfahrung. Aber nicht nur das Schreiben der Texte gehörte zu ihrer Aufgabe, sondern auch die Organisation des Abends, von der Sorge um das leibliche Wohl über die Deko bis hin zur Werbung, alles wurde vom Kurs selbst geplant und durchgeführt.

Liebevoll und mit Leidenschaft war die Schulaula in eine große Kneipe mit Barflair verwandelt worden, so dass es dem Publikum ein Leichtes war, seine Aufgabe zu erfüllen. Wie beim Poetry-Slam üblich, wurde das Publikum bei der Bewertung der Texte in den Dichter-Wettstreit einbezogen. Am Ende hatte Luise Aymar mit ihrem Text "Männer «haben Eier», Frauen haben Eierstöcke" das Publikum mit ihrer wunderbar offenen Art so begeistert, dass sie mehrmals die Höchstwertung bekam und den dritten Platz erhielt. Sie kritisierte auf überaus humorvolle Weise unseren oft unbedachten Sprachgebrauch und interagierte gekonnt mit dem sichtlich amüsierten Publikum. Jule Vollmer ergatterte gleich zwei Platzierungen. Sie übertraf alle Erwartungen mit ihrer bestechenden Wortgewandtheit und ihrer Treffsicherheit in der bilderreichen Beschreibung menschlicher Gefühle und Befindlichkeiten. In ihrem Text "Funken" beschrieb sie in bezaubernder Weise die Gefühle zweier Menschen füreinander, von denen sie zugleich sagte, sie seien „zu groß um sie in Worte zu fassen“. Dieser Text bekam den den zweiten Platz. Ihr Gewinnertext "Kontrollfreak" illustrierte hinreißend den inneren Kampf zwischen Herz und Kopf, den zu ihrem Bedauern meist der Kopf gewinnt. Sie äußerte den Wunsch, man müsse auch mal "einen Sinn für Leichtsinn" haben und nicht immer zwanghaft alles strukturieren, um sich sicher zu fühlen, vor allem, weil dies kein echtes Glück beschere, sondern oft nur einen Schutz vor unerwarteten Situationen mit Risiken aufbaue, wie sie neue Beziehungen mit sich bringen. Die Resonanz der Zuschauerjury war überwältigend und sie honorierten Jule Vollmers Vortrag mit der höchstmöglichen Wertung.

Anschließend ergriff Frau Marqués-Berger das Wort und kündigte eine mögliche dritte Veranstaltung des Literatur-und-Theater-Kurses im folgenden Schulhalbjahr an. Man darf also gespannt sein auf einen weiteren Abend der jungen Künstler.